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TI-Anbindung und Praxis-IT: Welche Anbieter kommen infrage und worauf kommt es an?

Kurz beantwortet

Infrage kommen Anbieter, deren Konnektor oder TI-Gateway, Kartenterminals und KIM-Dienst von der gematik zugelassen sind, dazu ein IT-Dienstleister, der alles mit Ihrem Praxisverwaltungssystem verbindet. Gesetzlich korrekt ist die Anbindung, wenn die vorgeschriebenen Anwendungen in aktueller Version laufen. Zuverlässig wird sie durch Wartung, gültige Karten und einen erreichbaren Ansprechpartner.

Von Nikolaj Kinas · Stand · Lesezeit etwa 9 Minuten

Was gehört zur TI-Anbindung einer Praxis?

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das geschützte Datennetz des Gesundheitswesens. Damit eine Praxis daran teilnimmt, müssen mehrere Bausteine zusammenspielen, die meist von verschiedenen Herstellern stammen.

Die Bausteine der TI-Anbindung
BausteinAufgabeBezugsquelle
Konnektor oder TI-Gatewaystellt die verschlüsselte Verbindung zur TI herHersteller oder TI-Gateway-Anbieter mit Zulassung der gematik
eHealth-Kartenterminalliest Gesundheitskarte, Heilberufsausweis und PraxisausweisHersteller mit Zulassung der gematik
SMC-B (Praxisausweis)weist die Praxis als Einrichtung auszugelassener Kartenanbieter
eHBA (elektronischer Heilberufsausweis)weist den Arzt persönlich aus und erzeugt die elektronische Signaturzugelassener Kartenanbieter, Antrag über die Ärztekammer
Praxisverwaltungssystem (PVS)nutzt die TI-Anwendungen im Alltag, etwa E-Rezept und ePAHersteller der Praxissoftware
KIM-Dienstverschlüsselter Nachrichtenversand zwischen Praxen, Kliniken und Kassenzugelassener KIM-Anbieter

Beim TI-Gateway steht kein Konnektor mehr in der Praxis. Sie verbindet sich über eine gesicherte VPN-Verbindung mit dem Rechenzentrum eines zertifizierten Anbieters, der dort einen sogenannten Highspeed-Konnektor für viele Einrichtungen betreibt. Updates und Wartung erledigt der Anbieter zentral. Laut gematik soll das TI-Gateway den bisherigen Anschluss über Hardware in der Praxis perspektivisch ersetzen.

Wann ist die TI-Anbindung gesetzlich korrekt?

Für Praxen, die gesetzlich Versicherte behandeln, ist die TI kein freiwilliges Angebot. Mehrere Anwendungen sind vorgeschrieben, und an ihnen hängt auch die Finanzierung.

  • E-Rezept: Seit dem 1. Januar 2024 müssen Ärzte verschreibungspflichtige Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung als E-Rezept verordnen.
  • Elektronische Patientenakte (ePA): Seit dem 1. Oktober 2025 müssen medizinische Einrichtungen die „ePA für alle“ im Alltag nutzen.
  • Weitere Anwendungen: Für die volle TI-Pauschale müssen Praxen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) außerdem die eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung), den eArztbrief, das Notfalldatenmanagement mit elektronischem Medikationsplan und den Dienst KIM nachweisen, jeweils in aktueller Version.

TI-Pauschale: Was die Krankenkassen zahlen

Seit dem 1. Juli 2023 erhalten Praxen nach § 378 SGB V eine monatliche TI-Pauschale für Ausstattung und Betrieb. Ihre Höhe richtet sich nach der Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten in der Praxis und steigt jeweils zum 1. Januar. 2026 beträgt sie laut KBV für Praxen mit bis zu drei Ärzten 263,62 Euro im Monat.

Fehlt der Nachweis für eine der vorgeschriebenen Anwendungen, halbiert sich die Pauschale. Fehlen mehrere, zahlen die Kassen keine. Für Fachgruppen, die einzelne Anwendungen im Regelfall nicht nutzen können, etwa Psychologische Psychotherapeuten bei eAU und E-Rezept, können die Kassenärztlichen Vereinigungen Ausnahmen festlegen.

Gesetzlich korrekt heißt im Alltag: Alle vorgeschriebenen Anwendungen sind eingerichtet, die Updates des Praxisverwaltungssystems sind eingespielt, und die Karten sind gültig. Dazu kommt die IT-Sicherheitsrichtlinie, die die Kassenärztlichen Bundesvereinigungen nach § 390 SGB V festlegen. Sie regelt unter anderem die sichere Installation und Wartung der TI-Komponenten.

Ich muss meine Praxis an die TI anbinden: Welche Anbieter kommen infrage?

Den einen „TI-Anbieter“ gibt es nicht. An einer Anbindung sind meist drei Seiten beteiligt, und für jede gelten andere Auswahlkriterien.

Hersteller und Dienste mit Zulassung der gematik

Konnektoren, TI-Gateways, Kartenterminals, Karten und KIM-Dienste dürfen nur eingesetzt werden, wenn die gematik sie zugelassen hat. Welche Produkte und Anbieter das sind, veröffentlicht die gematik in ihrer Zulassungsübersicht im Fachportal. Für die Rechtssicherheit zählt diese Zulassung, nicht die Werbung des Anbieters.

Der Hersteller Ihres Praxisverwaltungssystems

Viele PVS-Hersteller bieten TI-Pakete an oder empfehlen bestimmte Komponenten. Fragen Sie nach, welche Konnektoren, TI-Gateways und KIM-Dienste mit Ihrem System erprobt sind und wie schnell Pflicht-Updates erscheinen.

Ein IT-Dienstleister für Einrichtung und Betrieb

Jemand muss die Komponenten installieren, in Ihr Praxisnetz einbinden, mit dem PVS verbinden und bei Störungen eingreifen. Das kann der PVS-Hersteller selbst sein oder ein IT-Dienstleister aus der Region, der auch Computer, Netzwerk und Datensicherung der Praxis betreut.

Konnektor in der Praxis oder TI-Gateway im Vergleich
MerkmalKonnektor in der PraxisTI-Gateway
StandortGerät im PraxisnetzHighspeed-Konnektor im Rechenzentrum des Anbieters
Updates und Wartungam Gerät in der Praxiszentral durch den Anbieter
In der Praxis nötigKonnektor, Kartenterminals, NetzwerkVPN-Zugang als Gerät oder Software, Kartenterminals, Netzwerk
PraxisausweisSMC-B-Karte im KartenterminalSMC-B-Karte oder, je nach Anbieter, im Rechenzentrum verwaltet (HSM-B)
Abhängig vonGerät und Internetanschluss der PraxisInternetanschluss der Praxis und Rechenzentrum des Anbieters

Diese Fragen sollten vor der Unterschrift beantwortet sein:

  • Stehen alle Komponenten und Dienste in der Zulassungsübersicht der gematik?
  • Ist schriftlich festgehalten, wer Lieferung, Einrichtung, Wartung und Störungshilfe übernimmt?
  • Sind die Reaktionszeit bei Störungen und der Weg, auf dem Sie Hilfe anfordern, vereinbart?
  • Ist das Zusammenspiel mit Ihrem PVS geklärt, einschließlich KIM, E-Rezept und ePA?
  • Sind alle laufenden Kosten aufgeführt, sodass Sie sie mit der TI-Pauschale vergleichen können?

Welche TI-Anbindung ist ausfallsicher und stabil im laufenden Betrieb?

Eine Liste besonders ausfallsicherer Anbieter gibt es nicht, auch nicht von der gematik. Störungen entstehen an verschiedenen Stellen: in der Praxis, beim Internetanschluss, im Rechenzentrum eines TI-Gateways oder zentral in der TI selbst. Stabil wird eine Anbindung durch mehrere Maßnahmen zusammen.

  • aktuelle Software auf Konnektor, Kartenterminals und PVS, eingespielt nach den Vorgaben der Hersteller
  • gültige Karten: Heilberufs- und Praxisausweise laufen ab und müssen rechtzeitig ersetzt werden
  • ein stabiler Internetanschluss und ein Praxisnetz, das von einem Gäste-WLAN getrennt ist
  • ein Ersatz-Kartenterminal, damit ein Defekt am Empfang nicht den ganzen Betrieb aufhält
  • ein Ansprechpartner, der Konnektor, Netzwerk und PVS kennt und Störungen eingrenzen kann

Beim TI-Gateway übernimmt der Anbieter Updates und Wartung zentral, worin die gematik eine höhere Ausfallsicherheit sieht. Fragen Sie trotzdem nach, wie der Anbieter über Störungen informiert und in welcher Zeit er reagiert.

RSA auf ECC: Was die neue Verschlüsselung 2026 bedeutet

Die TI stellt ihre Verschlüsselung vom Verfahren RSA auf ECC (Elliptic Curve Cryptography) um. Laut gematik ist seit dem 1. Januar 2026 kein TI-Zugang mehr mit Konnektoren möglich, die nur RSA-Zertifikate haben. Heilberufs- und Praxisausweise der Generation 2.0 ohne ECC mussten bis zum 30. Juni 2026 getauscht werden. Mit nicht getauschten Karten lassen sich nach und nach keine E-Rezepte mehr signieren, keine KIM-Nachrichten versenden und keine ePA öffnen, beim Einbox-Konnektor fällt die gesamte TI-Verbindung aus. Noch offen ist die Frist bis zum 31. Dezember 2026 für die Gerätekarten (gSMC-KT) in den Kartenterminals. Für die Gesundheitskarten mit reiner ECC-Verschlüsselung, die ab dem 1. Oktober 2026 ausgegeben werden, braucht der Konnektor die aktuelle Produktversion.

Was tun bei einer TI-Störung?

Prüfen Sie zuerst den TI-Status der gematik. Dort sehen Sie, ob E-Rezept, ePA, KIM oder der TI-Anschluss gerade bundesweit eingeschränkt sind. Ist dort nichts gemeldet, hilft oft ein Neustart von Kartenterminal und Konnektor. Bleibt die Störung, sollte Ihr Dienstleister übernehmen. Bis dahin gilt für Rezepte das Muster 16 als Ersatzverfahren, denn ohne Verbindung zur TI lässt sich kein E-Rezept ausstellen.

Wer unterstützt Arztpraxen bei der Einrichtung von KIM und TI?

KIM steht für „Kommunikation im Medizinwesen“, einen E-Mail-Dienst nur für das Gesundheitswesen. Praxen versenden darüber Arztbriefe, Befunde und eAU verschlüsselt. Den Dienst liefern ausschließlich zugelassene KIM-Anbieter. Empfänger stehen im KIM-Adressverzeichnis, in das nur Einrichtungen und Personen mit Praxis- oder Heilberufsausweis eingetragen werden.

Bei der Einrichtung arbeiten meist der PVS-Hersteller und ein IT-Dienstleister zusammen. Typisch sind diese Schritte:

  • einen KIM-Anbieter wählen, der mit dem Praxisverwaltungssystem zusammenarbeitet, und eine KIM-Adresse beantragen
  • das KIM-Clientmodul installieren, das Nachrichten ver- und entschlüsselt, und mit Konnektor oder TI-Gateway verbinden
  • das Postfach im PVS oder im E-Mail-Programm einrichten
  • den Eintrag im Adressverzeichnis prüfen und eine Testnachricht senden
  • das Team einweisen: wo neue Nachrichten ankommen und wer sie bearbeitet

IT, Telefonie, WLAN und Sicherheit: Wer übernimmt die gesamte Praxis-IT?

Die TI ist nur ein Teil der Praxis-IT. Arbeitsplätze, Drucker, Netzwerk, WLAN, Datensicherung, Telefonie und Praxissoftware müssen genauso zusammenspielen. Viele Störungen, die nach TI aussehen, liegen tatsächlich im Netzwerk oder an einem einzelnen Arbeitsplatz.

Wer Praxissoftware, Telefonanlage und IT-Support verbunden haben möchte, sollte auf diese Punkte achten:

  • Das Praxisnetz ist vom Gäste-WLAN für Patienten getrennt.
  • Datensicherungen laufen automatisch, liegen zusätzlich außerhalb der Praxis und werden regelmäßig testweise zurückgespielt.
  • Arbeitsplätze und Server erhalten Sicherheitsupdates, jeder im Team meldet sich mit einem eigenen Zugang an.
  • Für die Telefonanlage ist geklärt, wer sie betreut und ob Anrufe mit dem PVS verknüpft werden, etwa damit beim Anruf die Patientenakte erscheint. Das hängt von Telefonanlage und Praxissoftware ab und braucht meist die Abstimmung zwischen beiden Herstellern.
  • Ein Ansprechpartner vermittelt zwischen PVS-Hersteller, Telefonanbieter und TI-Anbieter, statt die Praxis zwischen ihnen pendeln zu lassen.

So machen wir das bei NK IT Service

NK IT Service ist seit 2006 in Rastatt ansässig und bindet Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Apotheken, psychotherapeutische Praxen sowie Pflege- und Heilmittelbetriebe an die Telematikinfrastruktur an. Wir begleiten die TI-Anbindung von der Bestandsaufnahme bis zum laufenden Betrieb.

  • Anbindung: Bestandsaufnahme, Bestellung der Komponenten und sichere Anbindung an die TI. Wir arbeiten mit den Konnektoren KoCoBox MED+ von CGM, secunet konnektor und RISE Konnektor sowie mit eHealth-Kartenterminals von Cherry und Ingenico.
  • Einrichtung: Konnektor und Kartenterminals installieren, SMC-B und eHBA beantragen und freischalten, ePA, KIM und E-Rezept aktivieren und mit Ihrem Praxisverwaltungssystem verbinden.
  • ECC-Umstellung: Wir prüfen, ob Konnektor, Karten und Kartenterminals ECC-fähig sind, und kümmern uns um Tausch oder Aktualisierung.
  • Schulung: Wir zeigen Ihrem Team, wie die Anwendungen im Alltag laufen.
  • Support: laufende Wartung und Hilfe bei TI-Störungen, bei längeren Ausfällen auch beim dokumentierten Ersatzverfahren. Unsere Reaktionszeit beträgt 24 bis 48 Stunden, Termine vor Ort vereinbaren wir nach Absprache.
  • Übrige Praxis-IT: Computer, Netzwerk, Drucker, Datensicherung, E-Mail und IT-Sicherheit, damit Sie für TI und Technik einen Ansprechpartner haben.

Die Kosten für Einrichtung und Betreuung nennen wir vorab, damit Sie sie mit der TI-Pauschale vergleichen können. Mehr dazu auf der Seite Telematikinfrastruktur (TI).

Häufige Fragen

Ist die TI-Anbindung für meine Praxis Pflicht?

Für nahezu alle Praxen, die gesetzlich Versicherte behandeln, ja. E-Rezept und elektronische Patientenakte sind vorgeschrieben, und ohne die übrigen Anwendungen kürzen die Kassen die TI-Pauschale. Für Fachgruppen, die einzelne Anwendungen nicht nutzen können, legen die Kassenärztlichen Vereinigungen Ausnahmen fest.

Konnektor oder TI-Gateway: Was passt zu einer kleinen Praxis?

Beide Wege sind zugelassen. Der Konnektor in der Praxis ist eingeführt und arbeitet ohne fremdes Rechenzentrum. Das TI-Gateway spart das Gerät und dessen Wartung vor Ort, setzt aber einen stabilen Internetanschluss voraus. Oft entscheiden Zustand und Laufzeit des vorhandenen Konnektors.

Was passiert, wenn die TI während der Sprechstunde ausfällt?

Die Behandlung geht weiter, nur die TI-Anwendungen stehen still. Für Rezepte gilt das Muster 16 als Ersatzverfahren. Prüfen Sie den TI-Status der gematik und starten Sie Kartenterminal und Konnektor neu. Hilft das nicht, grenzt Ihr Dienstleister die Ursache ein.

Wie lange dauert die TI-Anbindung einer Praxis?

Am längsten dauern meist Antrag und Lieferung von Praxis- und Heilberufsausweis. Sind Karten und Komponenten da, ist die eigentliche Einrichtung oft an einem Termin erledigt. Planen Sie deshalb früh, besonders bei einer Praxisgründung oder wenn Karten bald ablaufen.

Wer bezahlt Konnektor, Kartenterminals und Einrichtung?

Seit Juli 2023 erstatten die Krankenkassen Ausstattung und Betrieb über die monatliche TI-Pauschale; laut Bundesgesundheitsministerium soll sie alle Kosten für Anschluss und Betrieb abdecken. Lassen Sie sich die laufenden Kosten vollständig auflisten und vergleichen Sie die Summe mit der Pauschale für Ihre Praxisgröße.

Quellen

Über den Autor

Nikolaj Kinas, Inhaber von NK IT Service in Rastatt. Betreut seit 2006 Unternehmen, Praxen und Handwerksbetriebe in der Region Rastatt, Baden-Baden und Karlsruhe – von der IT-Betreuung über Webseiten und Hosting bis zu KI-Lösungen.

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